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Reinhard
Lay: Ein Lehrbuch für
die Aus-, Fort- und Weiterbildung.
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Vorwort
von Prof. Dr. Hermann Brandenburg: Welche Pflege können wir verantworten? Darf man beispielsweise einen sterbenden Menschen in ein anderes Zimmer verlegen, weil für einen Privatpatienten ein Einzelzimmer benötigt wird? Wie sollen sich Pflegende gegenüber ärztlichen Anordnungen verhalten, die aus ihrer Sicht fragwürdig sind? |
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Dies sind nur einige Fragen
und Problemstellungen, mit denen sich die Ethik in der Pflege beschäftigt.
Ihr Anliegen ist nicht die Propagierung einer neuen Moral, sondern die
kritische Reflexion dessen, was in der Pflege geschieht. Eine Ethik in der
Pflege schreibt nicht vor, wie man sich in schwierigen Situationen verhalten
soll, aber sie gibt Orientierungen, mit deren Hilfe das eigene Handeln
überprüft und ggf. geändert werden kann. Mit dem Buch von Herrn Lay liegt zum
ersten Mal ein deutschsprachiges Werk vor, welches grundlegend und umfassend
in ethische Fragen in der Pflege einführt. Dabei werden alle vier
Handlungsfelder der Disziplin Pflege angesprochen: Pflegepraxis,
Pflegepädagogik, Pflegemanagement und Pflegewissenschaft. Zwar liegen für die
Pflegepraxis bereits diverse Einführungen vor; die Darstellungen sind jedoch häufig
ausschließlich auf den Krankenhausbereich begrenzt und bieten keine Übersicht
zum aktuellen Stand der Diskussion in Deutschland. Für die verantwortliche
Arbeit im Pflegealltag gibt das vorliegende Buch wertvolle Hilfestellungen.
Pflegemanagern hilft es ebenfalls weiter - berücksichtigt die
Qualitätssicherungs- und Qualitätsmanagementdiskussion in Deutschland
ethische Problemstellungen bisher doch nur am Rande. Auch für Lehrende in der
pflegerischen Aus-, Fort- und Weiterbildung ist das Buch eine Fundgrube, denn
Ausführungen zur pädagogischen Ethik, zur Vermittlung ethischer Kompetenz und
zur Kritik gängiger Didaktiken aus ethischer Perspektive fehlen in der
bisherigen Diskussion nahezu vollständig. Nicht zuletzt die
Pflegewissenschaft kann einen Gewinn aus der vorliegenden Arbeit ziehen, denn
Forschung ist immer auch mit ethischen Herausforderungen konfrontiert.
Interessant sind auch Herrn Lays Begründungen, warum es denn eigentlich eine
"Ethik in der Pflege" als Bereichsethik geben muss und die allgemeine
Ethik nicht ausreicht. Aber es soll noch nicht zuviel verraten werden. Wie ist das Buch aufgebaut?
Herr Lay gibt zu Beginn einen Einblick in relevante Begriffe und Kategorien
der "Allgemeinen Ethik" (Moral, Moralität, moralische Kompetenz,
Werte und Güter, moralische Konflikte, Ethik) und verhandelt danach unter dem
Titel "Bereichsethiken" Aspekte der Ethik in Medizin und Sozialer
Arbeit. Diese beiden Kapitel bilden eine Grundlage für die fundierte
Begründung einer eigenen Bereichsethik in der Pflege. Die folgenden Kapitel
stellen die Verbindung von Pflegequalität und Ethik ins Zentrum und enden mit
einem Modell der Integration beider sowie einer neuen Definition von
Pflegequalität. Hervorzuheben ist ein
darauf folgendes ausführliches Fallbeispiel, welches den Prozess der
ethischen Entscheidungsfindung in der Pflege anschaulich illustriert. Die
transparente Argumentationsführung schließt mit einer Positionierung des
Autors und macht sich damit der Kritik zugänglich. Das letzte große Kapitel
setzt sich grundlegend mit der "Ethik in der Pflegepädagogik"
auseinander, kritisiert den konstruktivistisch-systemtheoretischen Ansatz und
beschreibt verschiedene Formen des Lehrens einer Ethik in der Pflege. Die
Arbeit schließt mit einer thesenartigen Zusammenfassung der wichtigsten
Aussagen und einem Ausblick auf den zukünftigen Forschungsbedarf. Die von Herrn Lay
vorgelegte Arbeit wurde zunächst als Diplomarbeit am Fachbereich Pflege der
Katholischen Fachhochschule Freiburg eingereicht. Nicht nur durch ihren
Umfang, sondern vor allem auf Grund ihrer umfassenden Bearbeitung der
Literatur sowie der hohen Qualität der Argumentation ist die Arbeit
außergewöhnlich. Mit der Integration von Pflegeethik und Pflegequalität
betritt der Autor Neuland und es werden fruchtbare Anstöße für die
Qualitätsdiskussion geliefert. Die argumentative Abwägung von
Handlungsalternativen im Fallbeispiel: "Zum Sterben in ein anderes
Zimmer!?" ist exemplarisch und unmittelbar für die Alltagsrealität der
Pflege relevant. Mustergültig wird hier eine ethische Argumentation - und
eben kein moralisierendes Raunen - vorgestellt und abschließend die eigene
Position offen gelegt. Die Anmerkungen zur in Mode
gekommenen konstruktivistisch-systemtheoretischen Didaktik in der Pflege sind
ebenfalls hervorragend. Es ist wirklich erstaunlich, welche Konjunktur dieser
Ansatz auch in der Pflegepädagogik erfahren hat. Obwohl die Pflege sonst
naturwissenschaftlichen Ansätzen und Paradigmen kritisch gegenübersteht,
werden sie in der Pflegepädagogik fast gläubig übernommen und das ethische
Defizit dieser Ansätze völlig ignoriert. Der Autor weist auf diese
Problematik explizit hin und leistet damit auch einen kritischen Beitrag zum
aktuellen pflegepädagogischen Diskurs. Ich wünsche dem Buch eine
breite Aufnahme - nicht nur in der Fachöffentlichkeit. Jedem, der sich mit
Pflege beschäftigt und kritischen Fragen in den Handlungsfeldern nicht
ausweichen möchte, sei die Lektüre des Buches empfohlen. Univ.-Prof. Dr. phil.
Hermann Brandenburg |
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